Tropische Abenteuer im Sinharaja-Reservat
Obwohl Sinharaja „König der Löwen“ (sinha für Löwe und raja für König) bedeutet, findet man keine der Raubkatzen in den Tiefen dieses Tropenwaldes. Aber das Reservat, der letzte Urwald Sri Lankas, birgt jede Menge anderer Wunder. Das einzigartige Dekor lässt sich zu Fuß entdecken und verspricht ein einzigartiges Abenteuer im Herzen einer der Lungen der Erde.
Einzigartige, unberührte Natur
In einer von unzähligen Bächen durchzogenen Hügellandschaft im Südwesten der Insel verbirgt sich der letzte primäre tropische Regenwald des Landes. Das Gebiet ist ein bemerkenswertes Beispiel für Naturschutz, J.C. denn bereits im 3. Jh. v. Chr. erklärte ein Stammesgesetz die Zone zu einem geschützten Wald oder „thahanakelle“. Von seiner Artenvielfalt fasziniert, machten die niederländischen Kolonisten den Regenwald 1875 zu einem Reservat. Ein Status, den die sri-lankische Regierung 1977 festigte, um illegale Abholzungen zu vermeiden. Seit 1983 gehört Sinharaja sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und wer einmal auch nur einen Fuß auf einen der Wege durch dieses Naturparadies gesetzt hat, versteht den Grund für diese Auszeichnung.
Wanderung unter dem Blätterdach
Mit grobem Salz eingeriebene Schuhe oder spezielle Socken ... Es braucht schon eine besondere Ausrüstung, wenn man diese Natur betreten möchte, in der Blutegel stark verbreitet sind. Wenn alles bereit ist, gilt es, dem Guide zwischen den Bäumen hindurch zu folgen. Ohne seinen erfahrenen Blick und seine Hinweise ist es nahezu unmöglich, die Tiere zu entdecken. Sie verkriechen sich in der reichen Pflanzenwelt und verstehen es sehr gut, mit ihrer Umgebung zu verschmelzen. Kein Laut stört die Ruhe dieses Paradieses. Nur das Rascheln der Blätter und die diskreten Geräusche der Tiere sind zu hören. Mehr als 130 verschiedene Tierarten sind hier zu Hause, einige von ihnen sind selten oder vom Aussterben bedroht. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, sich Auge in Auge mit einem Leoparden gegenüberzustehen, sind Schlangen, Spinnen und Vögel leicht auszumachen. Unter dem Blätterdach springt ein Weißbartlangur, ein kleiner Affe mit strubbeligem Fell, von Ast zu Ast. In denselben Bäumen sitzen bunte Vögel und beobachten neugierig die Besucher, z. B. der Ceylonkuckuck, dessen Federkleid ein Zusammenspiel aus Schwarz, Bordeauxrot und Grün ist. Ein seltsames Phänomen, das man hier öfter als woanders beobachten kann, sind gemischte Vogelschwärme. Mehrere hunderte Vögel – manchmal bis zu 40 verschiedene Vogelarten – fliegen dann zusammen.
Während der mehrere Stunden langen Wanderung durch den Regenwald kommt man sich vor wie ein Forscher. Bisweilen schaffen es die Sonnenstrahlen durch die Baumwipfel und werfen etwas Licht in das Unterholz. Kleine Brücken aus Brettern führen über Wasserläufe, die sich ein Stück weiter in einen atemberaubenden Wasserfall verwandeln. Wer die Tour fortsetzen möchte, hat keine andere Wahl, als den Fluss zu überqueren. Das Wasser reicht bis zur Mitte der Oberschenkel. Eine erfrischende, aber ungefährliche Überquerung. Wer sich die ultimative Erfrischung wünscht, kann den Fluss auch durchschwimmen. Aber Vorsicht, trotz des Tropenklimas ist das Wasser kühl. Von Zeit zu Zeit bricht der Guide sein Schweigen, um mit dem Finger auf eine Schlange zu zeigen, die genauso grün ist wie das Farnkraut, in dem sie sich versteckt. Oder ein Riesen-Eichhörnchen, das seine Akrobatikkünste zum Besten gibt. Mitten in dieser unberührten Natur scheinen die Alltagssorgen unendlich weit weg.
Sinharaja: praktische Infos
Dieses von der UNESCO ausgezeichnete Naturwunder lässt sich am besten in den trockensten Monaten des Jahres entdecken. Bei einer Wanderung im August/September oder von Januar bis April sollten Sie keine Regentropfen abbekommen. Den Rest des Jahres können Sie das Reservat zwar betreten, die Wege können jedoch schlammig sein. Auch die Überquerung der Wasserläufe ist dann komplizierter. Das Reservat ist für Besucher durch zwei Eingänge zugänglich. Wer aus nordwestlicher Richtung kommt, für den ist der Eingang von Waddagala am günstigsten, während das Tor in Deniyaya für Besucher aus dem Süden praktischer ist. Von wo auch immer die Trekkingtour startet, ein Guide muss stets dabei sein, damit die Sicherheit der Wanderer gewährleistet ist und sie nicht Gefahr laufen, sich zu verlieren. Er ist auch darin geschult, die wilden Tiere auszumachen und der Gruppe zu zeigen. Zahlreiche Unterkünfte rund um das Reservat bieten Tagesausflüge inklusive Guide an. Auf Besucher, die unbegleitet bis zum Parkeingang kommen, warten offizielle Führer. Jetzt bleibt Ihnen nur noch, die Dauer Ihrer Wanderung durch die unberührte Natur zu wählen. Eine Stunde oder einen ganzen Tag, ganz nach Lust und Laune jedes Entdeckers.