Die Ambalangoda-Masken: von der Heilung zum Schauspiel
Ambalangoda: Im Namen dieser Stadt klingt Poesie und Sanftheit mit. Ebenso eine uralte, mythische Maskentradition. Und vor allem eine Geschichte, die die Jahrhunderte überdauert hat.
Für alle, die sich für Traditionen interessieren, gibt es eine, die seit mehr als zwei Jahrtausenden fest in Sri Lanka verankert ist. Und die Stadt Ambalangoda führt ihr Vermächtnis fort. Von der Hauptstadt Colombo aus dauert die Fahrt bis in diese im ganzen Land für ihre geschnitzten Masken bekannte Stadt zwei Stunden. Aber meinen Sie ja nicht, es handele sich um Karnevalsverkleidungen!
Es gibt drei Arten von Masken. Die ältesten heißensanni. Die beliebtesten, die für Vorführungen bestimmt sind, werdenkolam genannt. Dierakshawiederum, von der Dämonenkobra, die den Feind terrorisiert, bis zum Dämonenpfau, der Frieden und Wohlstand bringt, werden bei Prozessionen benutzt.
Aber lassen Sie uns kurz in die Zeit zurückreisen.
Am Anfang steht dersanniya, was Krankheit bedeutet. Und diese Krankheit wird von einem Teufel übertragen, der ebenfalls Quelle der Heilung ist. Die Masken stellen die Erkrankungen dar, 18 insgesamt – selbst wenn die Anthropologen viel mehr verzeichnet haben. Jede Maske steht also für eine Art von Krankheit oder Behinderung: So ist es nicht verwunderlich, dass die Masken für Malaria und hohes Fieber sich mit leuchtendem Rot und Flammen schmücken, während die Masken für Gallenbeschwerden eher in Gelb und Orange gehalten sind. Schlangen sind taub? Es ist eine Kobra, die Taubheit beschreibt.
Für die Heilung gibt es keine Medikamente, sondern Exorzismus-Rituale,sanni Yakumagenannt, mit Tanz, Musik und Pantomime. Der Exorzist-Schamane –yakadura – ruft alle oder nur einige Teufel herbei, die für die Krankheit verantwortlich sind, und legt den günstigsten Zeitpunkt für das Ritual fest. Der Kranke bringt den Dämonen Gaben dar, die dann in einem grotesken Tanz erscheinen, die Gaben schließlich akzeptieren und bereit sind, den Kranken nicht mehr zu behelligen.
Vom Heiligen zum Weltlichen, jedoch stets maskiert
Von der heilenden Maske zum volkstümlichen Schauspiel ist es nur ein kleiner Schritt. Denn in Sri Lanka gibt es auch eine Theaterkultur. Das Theaterstück stützt sich auf Mythologie und Buddhismus und wird in vier Akten gespielt. Der Erzähler ist ein Tänzer mit entblößtem Gesicht, der, von Musikern begleitet, die Dämonen anruft, bevor er die Geschichte präsentiert. Dann kommen die Figuren des häufig satirischen Theaterstücks ins Spiel, diesmal hinter herrlich bunten Masken mit Skulpturen, die den jeweiligen Ausdruck der Maske betonen – mal furchterregend, mal lustig –, um zu tanzen, Pantomime zu zeigen und burleske und fröhliche Reden zu schwingen. Auch der Kolam verändert sich. Seit einigen Jahren stellt er Menschen dar und wandelt sich langsam vom Heiligen zum Weltlichen. Ein Aspekt ändert sich jedoch kaum: die Verwendung der Masken.
Vom Kaduru-Holz zur Polychromie
Zwei Museen sind den Masken gewidmet. Das erste, ein bisschen verstaubt, präsentiert nur einen Teil seiner Maskensammlungen, dafür aber Kostüme für Rituale und Tanz. Antike Werkzeuge, eine Werkstatt mit Laden … Man hat schnell alles gesehen. Das zweite, umfangreichere Museum, Ariyapala & Sons, nach dem Namen eines der berühmtesten Handwerksmeister benannt, stellt eine große Auswahl älterer und jüngerer Masken aus und erläutert das Herstellungsverfahren, das unverändert in den Handwerkerfamilien von Generation zu Generation weitergegeben und manchmal in kostbaren Manuskripten festgehalten wurde.
Der Bildhauer verwendet das leichte und weiche Kaduru-Holz (Brechnuss). Mit Meißel und Schlägel gestaltet er die grobe Form der Maske und lässt sie dann eine Woche lang über einem Ofen trocknen: Dieser Schritt ist unerlässlich, um sie vor Insekten zu schützen! Wenn die Maske fertig geschnitzt ist, wird sie zuerst in Blassgelb angemalt. Dann entstehen die Motive, die typisch für die dargestellte Krankheit sind. Die mit einem Harz vermischten Pigmente fixieren die Farben auf Dauer. Man ahnt schon, dass die günstigsten Masken, die man als Andenken mit nach Hause nimmt, heutzutage in einer Fabrik hergestellt werden. Und wenn Sie eine von einem echten Handwerker kaufen möchten, sollten Sie sich dennoch vor Fälschungen in Acht nehmen!