Sri Lankas Früchte
Ehre, wem Ehre gebührt: Die Kokospalme, von der alle Teile genutzt und gegessen werden, soll ursprünglich aus Sri Lanka stammen. Der Baum, dessen wissenschaftlicher Name Cocos Nucifera lautet, lässt seine schweren Früchte mit der grünen Schale zu Boden fallen, sobald sie reif sind. Mit einer Machete werden die Kerne freigelegt, die bekannten Kokosnüsse. Um an ihren erfrischenden Saft, das sogenannte „Kokoswasser“, zu gelangen, werden sie entweder geschält oder es werden zwei Löcher hineingebohrt.
Nachdem die Nuss leer ist, wird das Fruchtfleisch von der Wand der Nuss gelöst, ausgepresst oder mit Wasser püriert, was die sogenannte „Kokosmilch“ ergibt. Die Kokosnuss kann auch gerieben oder in langen Streifen getrocknet werden. So zubereitet ist sie unverzichtbarer Bestandteil der Kokos-Chili-Paste Pol Sambol, die zum Curry Rice gereicht wird. Die Kokosblüte ist Bestandteil verschiedener Gerichte. Destilliert ergibt sie einen nach Honig und Karamell schmeckenden Sirup, und aus ihrem fermentierten Saft wird der bekannte Palmwein gewonnen. Der Handel mit dem umstrittenen Palmöl dagegen wurde von der Regierung in Colombo gerade erst verboten.
Früchte aus Südamerika gedeihen hier prächtig
Da er dort vorkommt, wo auch Kokospalme und Kautschukbaum (Hevea) wachsen, muss an dieser Stelle auch der Kakaobaum erwähnt werden. Seine Frucht, die Kakaobohne, ist erst nach einer langen und aufwendigen Zubereitung genießbar. In einem Obstkorb dient sie meistens nur der Dekoration.
Der Kakaobaum wird im Süden der Insel angebaut und kommt von einem anderen Kontinent, nämlich aus Südamerika. Der qualitativ hochwertige einheimische „Old Red Ceylon“, der im Süden der Insel wächst, ist allerdings eine der ältesten noch existierenden Arten und wurde von den Kolonisten im XVII. Jahrhundert auf die Insel gebracht. Während Sri Lanka zu einem der führenden Produzenten dieser Kakaosorte wurde, gibt es die Baumart heute im Rest der Welt so gut wie nicht mehr. Daher erfüllt diese Kakaosorte perfekt die heute vorherrschende, vielleicht ein wenig naive Vorstellung, den Ursprung jeder Tafel Schokolade genau nachverfolgen zu können.
Apropos Früchte, die man probieren kann - nicht nur der Kakao kommt aus Südamerika. Auch die Drachenfrucht, die in niedrig gelegenen Feuchtgebieten wunderbar gedeiht, ist „Amerikanerin“. Die rosafarbene Kugel mit den Schuppen wird vor dem Verzehr in der Mitte durchgeschnitten. Aber man isst sie nicht nur wie eine Kiwi, mit ihren kleinen dunklen Kernen, die sich im weißen Fruchtfleisch fast verlieren, sie sieht auch ein wenig so aus. Die ebenfalls aus Südamerika stammende Passionsfrucht heißt nicht etwa so, weil ihr Genuss ungezügelte Leidenschaft verspricht. Vielmehr bezieht sich der Name auf die christliche Passion, da der „Hammer“ und die „Nägel“ in der Mitte ihrer Blüte an die Kreuzigung Jesu erinnern sollen.
Auch die Ananas stammt ursprünglich aus Südamerika, und zwar aus der Karibik und dem Amazonasgebiet. Ihr Name leitet sich von naná ab, was in der Guaraní-Sprache „Frucht“ bedeutet. Die ersten Ananas der Sorte „Victoria“, benannt nach der englischen Königin, die die Früchte liebte, wurden auf La Réunion und Mauritius angebaut. Schließlich schafften es einige Ananas weiter westwärts, in die Region zwischen Colombo und Kandy.
Die Papaya stammt ursprünglich aus Mexiko. In Sri Lanka gilt sie als Gemüse und wird gerieben serviert. Entgegen der landläufigen Meinung kommt die Durian nicht aus Asien, sondern ebenfalls aus Südamerika. Die riesige, stachlige Fruchtschote sieht aus wie die Haut eines Dinosauriers. Im Inneren der Schale befindet sich helles Fruchtfleisch, das bis zu sechs getrennte Kammern mit jeweils höchstens sechs Samen enthält. Wenn die Durian noch nicht überreif ist, ist sie wunderbar cremig. Allerdings hat die Frucht aufgrund ihres unangenehmen Geruchs einen eher schlechten Ruf. In Singapur ist es sogar verboten, die Früchte in der U-Bahn (MRT) mit sich zu führen.
Merkwürdige und seltene Früchte
Die Mango, die gerne zum Nachtisch gegessen wird, stammt ursprünglich aus Indien. Sie darf im Chutney nicht fehlen. Die Mango, die in Sri Lanka verwendet wird, wächst im Norden der Insel, in der Nähe von Arunadhapura. Sie ist kleiner als die riesigen gehaltvollen Exemplare, die man in Europa im Fachhandel für exotische Früchte findet.
Die auffällige Mangostane mit ihrer runden, manchmal auch mit kleinen Höckern überzogenen violetten Schale ist viel weniger bekannt. Sie ist ungefähr so groß wie eine Tomate. Wenn man sie mit einem Messer aufschneidet, wird das Fruchtfleisch freigelegt, das in fünf bis sieben Segmente unterteilt ist, die ein wenig an Knoblauchzehen erinnern. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Rambutan, deren Name im Malaysischen „Haar“ bedeutet. Unter der roten Schale mit Stacheln, die Schattierungen von Orange bis Violett aufweisen kann, verbirgt sich das weiß schimmernde Fruchtfleisch, dem die Frucht ihren Beinamen „behaarte Litschi“ verdankt.
Damit Sri Lanka, der Obstgarten, in dem alles zu wachsen scheint, keinen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Die Früchte sollten möglichst direkt vom Baum gegessen werden. Bereits geöffnete Früchte, die zu lange Hitze und Insekten ausgesetzt waren, sollte man dagegen besser meiden. Es ist nicht ungewöhnlich, im Hotelzimmer einen Geschenkkorb mit frischen Früchten vorzufinden.